Die Essenz von Yoga - Mandalay Yoga

Die Essenz von Yoga

In meinen Yoga-Kursen stelle ich den Teilnehmern öfter mal die Frage, was sie eigentlich unter dem Begriff Yoga verstehen. Als Antworten darauf fallen häufig Wörter wie Flexibilität, Entspannung, Dehnen, Bewegen etc. Generell ist das alles nicht falsch, wobei dies eher die Effekte der regelmäßigen Yoga-Praxis sind, nicht die Essenz selbst. Die Essenz von Yoga?

Essenz von Yoga – auf vielfältige Art und Weise

Der Yoga-Markt überflutet uns mittlerweile mit einer Vielfalt an Angeboten. Im heutigen 21. Jahrhundert lässt sich aber leider unter dem NAMEN Yoga fast alles überall gut verkaufen.

Wenn man die wirkliche Essenz sucht, kann es mitunter schwierig werden…

Da der Kapitalismus noch nie irgendwelche Grenzen kannte, gibt es beim Thema Yoga ebenso keine Ausnahme. Alles, was sich für die breite Masse in der westlichen Welt rentiert und dadurch unsagbare Profite abwirft, wird natürlich gerne bis zum „geht nicht mehr“ ausgeschlachtet.

So sollte jedem bewusst sein, dass z.B. sogenannte Yoga-Kurse in Fitnessstudios eher nach reiner Gymnastik mit Yoga-Aspekten zur Entspannung schreien.

Das liegt natürlich auch an der dort vorzufindenden Zielgruppe, die den Fokus auf den Aufbau von Muskelmasse legt, um den Body dann stolz im Sommer am Strand oder am See vorzeigen zu können.

Deshalb mein Tipp für alle Yogalehrer mit Herz und Verstand: Leitet in solchen Studios lieber keine Pranayamas-Atemübungen an, denn höchstwahrscheinlich wird die Konzentrationsfähigkeit der Fitness-Begeisterten spätestens ab diesem Zeitpunkt abnehmen, indem sie sich nebenher lieber ihrem Smartphone widmen, um WhatsApp-Messages zu checken oder ein Selfie für Instagram und Co zu schießen. So, zurück zur Frage, was ist nun Yoga?

Und wo bleibt die Essenz von Yoga?

Yoga ist Eins-Sein. Yoga ist eher langsam als schnell, eher ruhig als laut, mehr Yin als Yang, mehr Atem als Luft anhalten, mehr Geist als Verstand, mehr Einheit, als Getrenntsein, mehr Bewusstsein, als Oberflächlichkeit. Yoga bietet mehr Ausrichtung, mehr tiefere Atemzüge, die gefüllt sind mit Prana – dem „Hauch des Lebens“.

Beim Yoga gilt es, die Bewegungen eher zu verlangsamen und diese mit dem Atemfluss zu synchronisieren. Die Atmung tiefer und ruhiger, dafür aber stärker werden lassen – das ist auch ein wichtiger Schlüssel zum yogischen Erfolg. Durch eine langsame, bewusste und ruhige Yoga-Praxis geschieht eine verstärkte Dehnung der Muskulatur, im Allgemeinen wird alles sehr vertieft.

Wenn auch noch Bandhas und das richtige Atmen, um die Organe optimal mit Sauerstoff zu versorgen, mit einbezogen werden, dann fangen wir langsam, ganz langsam an über Yoga zu sprechen…

Die Essenz von Yoga im 21.Jahrhundert

Die Essenz von Yoga im 21. Jahrhundert Wie schon angedeutet, leben wir heute in einer sehr schnelllebigen, eher oberflächlichen Konsumgesellschaft, in welcher der Leistungswille und dessen Bereitschaft zu den größten Tugenden gehören zu scheinen.

Das spiegelt sich auch auf der Yoga-Matte wider, indem das Kollektiv zeigt, als was es Yoga versteht und wie es praktiziert werden will. Nämlich genau nach demselben Prinzip, wie wir auch leben: schneller, besser, effektiver. Oft erlebe ich z.B., wie sich Teilnehmer auch nicht auf sich selbst verlassen, sich kaum bis gar nicht auf sich selbst konzentrieren können.

Alle haben durch die angesprochenen Punkte ein sehr stressiges Leben, das nach einem Ausgleich schreit. Doch wenn Stressabbau, dann bitte nicht allzu tiefgründig, sondern so, dass es in den hektischen Alltag integriert werden kann. Deshalb hatte ich irgendwann begonnen so zu unterrichten, dass ich nur punktuell intensiveres Yoga-KnowHow mit einbringe, was gerade nicht zu viel ist, doch für die Praxisvertiefung schon tendenziell in die richtige Richtung geht. So soll jeder für sich selbst entscheiden, wo, wie und ob, mein Input angenommen wird.

Yoga hat eine alte Seele

Vor vielen tausenden von Jahren haben sich sehr weise Menschen die Yoga-Philosophie ausgedacht, welche auf dem Gedanken des Eins-Seins beruhte. Heute wird Yoga als Mittel zur Stressreduktion verstanden, obwohl es den ursprünglichen Sinn eher verfehlt.

Denn zu den damaligen Zeiten lebten die Menschen nicht in einer so enormen Flut von schnelllebigen Informationen und Kontakten und kannten das Wort Stress wahrscheinlich noch nicht mal (oder wenn, dann nur in einem ganz anderem Kontext).

Stress und Burn-Out sind neumodische Phänomene der letzten Jahrzehnte. Man bedenke den Fakt, dass heutzutage schon kleine Kinder mit Smartphone, Tablets und Co ausgestattet sind, wobei in den 1960er oder auch noch in den 80ern ein Telefon pro Haushalt völlig ausreichte.

Damals hat man noch telefoniert, und nicht „multitasketiert“, wie ich das heute bezeichnen würde. Unsere wahnsinnig tolle Marketingwelt will uns ja ständig viele und neue algorithmische Lösungstools anbieten, um das Leben zu erleichtern, wobei wir aber in Wahrheit mit etwas Wertvollem bezahlen: mit unserer begrenzten (Lebens-) Zeit. Heute herrscht das Motto „immer mehr, mehr, mehr“.

Der Planet Platz bald vor lauter Zeug und innovativer Fülle. Und weil Material auch begrenzt ist, setzen wir in der Zeit des 21. Jahrhunderts auf den Äther. Dort werden nun endlich viele Speicher erschaffen und die Clouds und Bubbles speichern den gesamten, endlosen Nonsens, um all das nicht haptische dort abzulegen – im Glauben es bündelt unsere Erinnerung.

Dass die Menschheit in der westlichen Welt sich nach Ruhe und Entspannung sehnt wird dadurch sehr deutlich. Wir brauchen Yoga wohl mehr denn je zuvor. Yoga kann ganz ohne fancy Sportoutfit, magic Yogamatte, super Mandala- Tuch sowie ohne 4000k Follower ausgeübt werden. Wenn du einfach mal die Augen schließt und dich in deinen Tempel deiner Seele begibst, kannst du ohne 20€ -Yogaklassen zu jeder Zeit dort einkehren, Ruhe finden und dich dazu bewegst dein individuelles Selbst für das große Ganze einzusetzen.

Das ist weit, weit weg und etwas völlig anderes als der leider viel zu oft anzutreffende Yoga-Mainstream.

Die Essenz von Yoga im Hier und Jetzt

Yoga ist die Kombination aus Atmung und einer disziplinierten, all-einigen fließende Praxis von Asanas, egal welcher Art auch immer. Die Essenz ist doch der Moment, wenn Yoga und du mit der Atmung eins werden.

Yoga ist ebenso etwas ganz anderes als alle Sportarten der Welt. Yoga ist ein Weg der eigentlich auch keine Ende nimmt, es kommt ganz darauf an was du willst. Deshalb auch eingangs, die Frage, was du unter Yoga verstehst…für jeden kann das etwas ganz Individuelles sein.

Welche Art von den vielen Yogaarten dir auch zusagt, Yoga kommt mit einer Garantie. Verstehe, dass deine Seele auch nicht an eine dreidimensionale Erdexistenz gebunden ist, doch um das zu verstehen, brauchst du vielleicht noch eine etwas längere Yoga-Praxis, Bereitschaft und vor allem ein tiefes spirituelle Verständnis.

Irgendwann wirst du vielleicht aufhören Fleisch zu essen oder minderes, schnelles Essen sowie künstliche Lebensmittel ganz und gar anfangen abzulehnen.

Das Essen ist ein guter Indikator für den Grad des Bewusstseins. Etwas in dir wird sich verändern, erneuern. Irgendein Punkt (Wende) wird erreicht sein und sich zeigen. Alte Beziehungen werden vielleicht nicht mehr passen, Essgewohnheiten werden sich verändern, die übernommenen Muster aus familiärer Struktur werden verlassen, die Grenzen gezogen und alles ist nur der Anfang einer langen Lebensreise.

Und das gilt nur, wenn du Yoga auf allen Ebenen betreibst. Erwarte keine Wunder, wenn du nur einmal die Woche an einem Ort der Yoga anbietest, praktizierst.

In diesem Sinne ermutige ich dich, dich auf den Yoga-Pfad zu begeben und vielleicht kannst du schon bald die Essenz ganz tief in deiner Seele erkennen.

Im Yoga geht es nicht darum auf dem Kopf zu stehen, sondern fest auf eigen Füßen.

K.Desikachar