Der Unterschied von Yoga und Pilates - Mandalay Yoga

Der Unterschied von Yoga und Pilates

Alles im Leben beginnt mit der Atmung, somit hängen auch Yoga und Pilates unmittelbar mit ihr zusammen. Nicht nur das Leben unterscheidet Yoga von Pilates, auch in puncto Atmung tun sich Unterschiede auf. Das bedeutet nicht, dass beim Yoga mehr und beim Pilates weniger geatmet wird, atmen müssen wir immer. Der entscheidende Punkt ist, wie und mit welchem Ziel wir dabei atmen. Die Bruchgleichung der beiden Entspannungsmethoden lässt sich wie das Bedingungsgefüge aus Zähler und Nenner darstellen.

Yoga und Pilates

Worin besteht der Unterschied?

Kräftigung von Körper, Geist und Seele


Flexibilität fördern und dadurch das allgemeine Wohlbefinden steigern

Bis hierhin habe ich Euch vermutlich nichts Neues erzählt. Doch wo liegen nun die entscheidenden Unterschiede zwischen Yoga und Pilates?

Was macht Yoga aus?

Yoga stammt aus Indien und hat eine sehr alte Seele. Es beinhaltet Teile aus dem Ayurveda und umfasst körperliche Arbeit (Asana-Praxis) und Atemtechniken, wird aber ebenso geistig in Form von Meditationen, Mantras, Chantings, innerer Reinigungsarbeit etc. praktiziert.

Das Hauptziel von Yoga liegt darin, Körper und Geist zu vereinigen und beide in Einklang zu bringen, denn beim Yoga verbindet sich die individuelle Seele mit der universellen Seele. Auf dem Weg zu diesem Ziel bereichert Yoga auf spirituelle Weise das Leben und bringt uns in Einklang mit uns selbst, wodurch wir nach und nach zentrierter werden und uns Körper, Geist und Seele immer bewusster machen.

Auch kann Yoga durch regelmäßiges Praktizieren gesundheitliche Beschwerden und Leiden lösen. Körper, Geist und Seele erlangen dabei ganz natürlich einen Wissensdurst auf alles, was mit Yoga zusammenhängt und auf dessen Philosophie.

Wie wirkt Pilates?

Pilates ist noch relativ neu und hat eine junge, frische Seele. Der Name ist hier Programm, der Erfinder und Initiator dieser Methode war Joseph Pilates, der über ein breites Spektrum an Bewegungswissen verfügte. Vom Turnen über Boxen bis hin zu Bodybuilding war Joseph Pilates sehr geschult und legte seinen Fokus der Pilates-Methode daher auf ein systematisches Ganzkörpertraining, das zur Kräftigung der Muskulatur dient.

Sein Bestreben war eine Kräftigung und Straffung des Körpers, wodurch sich mit der Zeit automatisch eine bessere Haltung einstellt. Nach Pilates wird dadurch auf natürliche Weise das allgemeine Wohlbefinden positiv beeinflusst.

In New York begeisterte Joseph Pilates mit seiner Methode nicht nur normale Bürger, sondern auch die Künstler am Broadway. Mit seinem Pilates überzeugte er viele Balletttänzer, die sich bis heute im Pilates zu Hause fühlen. Somit wird deutlich, dass es im Pilates primär um das rein Körperliche im Außen geht. Spiritualität und geistige Übungen kommen hier, anders als beim Yoga, nicht zum Einsatz.

Pilates ist eine sinnvolle, ergänzende Übungsmethode zur Kräftigung der Tiefenmuskulatur. Es stützt und stärkt den Rücken und stabilisiert die gesamte Körperhaltung. Pilates ist ebenso fordernd, je nachdem, welche Ziele man erreichen und in welcher Hinsicht man sich stärken möchte.

Es ist eine herausfordernde und – richtig angewandt – fabelhafte Methode, die ganze Körpermitte zu kräftigen und zu stärken, sodass Rücken und Haltung eine gesunde Aufrichtung erfahren. Pilates ist daher eine schonende Bewegungsmethode, um sich bis ins hohe Alter fit und agil zu halten und bedarf keinerlei Geräte oder Hilfsmittel.

Yoga vs. Pilates – etwas vielschichtiger im Vergleich

Die Yoga-Praxis hingegen kann mit Yoga-Hilfsmitteln wie Blöcken, Klötzen, Gurten, Augensäckchen und rutschfesten Yoga-Matten ausgeübt und praktiziert werden. Dazu kommt, dass sich Yoga zusätzlich einer Bandbreite verschiedener Atemtechniken bedient. Beim Yoga wird ausschließlich durch die Nase geatmet  und versucht, die Atmung mittels Pranayama und Atemlenkung zu fördern.

Im Vergleich dazu zielt Pilates darauf ab, durch die Nase einzuatmen und durch den Mund oder die Nase auszuatmen. Während des Ausatmens wird viel Wert darauf gelegt, den Bauchnabel (Powerhouse) festzumachen und ihn gut nach innen in Richtung Wirbelsäule zu ziehen. Der Rücken bleibt geschützt und bewirkt eine Festigung der Körpermitte, wodurch die Pilates-Übungen gezielte Bereiche im Körper bearbeiten und tiefliegende Muskelgruppen erreichen. Pilates kann auf einer Gymnastikmatte praktiziert werden und ist generell überall am Boden durchführbar.

In der Yoga-Praxis würde es nicht lange Spaß machen, keine entsprechende Unterlage für die Asana-Praxis zu nutzen. Asanas wollen Stabilität und Erdung spüren, sodass eine lineare Ausrichtung möglich ist. Eine körperliche Yoga-Asanas-Praxis sollte auf einer rutschfesten Unterlage praktiziert werden, die geistige Yoga-Praxis kommt auch wunderbar ohne aus – das stille Sitzen und Atmen braucht nicht viel. Um Yoga zu praktizieren, brauchst Du keine Socken, bestimmte Kleidung oder irgendein anderes Schmuckwerk, Du und der Kontakt zum Boden genügen.

Einige hochwertige Pilates-Studios sind, basierend auf Joseph Pilates, mit Geräten ausgestattet, sodass diejenigen davon profitieren, die zusätzlich Geräte nutzen möchten. Diese sind ebenso effektvoll und können zur Vertiefung der Pilates-Praxis dienen.

Yoga kommt meist ganz ohne Geräte aus. Lediglich im Iyengar-Yoga werden in zertifizierten Studios therapeutische Yoga-Utensilien wie Wandseile, Stühle, Böcke und Keilhölzer verwendet. Yoga bedeutet für viele Menschen auch Flexibilität. Hier gibt es zum Pilates Überschneidungen, denn beide Methoden haben denselben meditativen Nebeneffekt, der beim Yin Yoga noch etwas deutlicher wird. Yin Yoga beinhaltet viel geistige Praxis und stellt eine meditative Yoga-Form dar. Pilates beschäftigt sich hingegen nicht tief gehend mit der geistigen Welt.

Wo liegen die tieferen Unterschiede zwischen Yoga und Pilates?

 Was im Yoga als Bandha (Energiebündelung) bezeichnet wird, ist im Pilates das Powerhouse. Yoga bedient sich noch weiterer Bandhas (Uddiyana Bandha und Jalandhara Bandha), um die Yoga-Praxis zu steigern und damit eine Wirkung zu erzielen. Durch die gesetzte Energiebündelung werden Körper und Geist einfach, zweifach oder dreifach gekräftigt, gereinigt und harmonisiert.

Pilates wird hingegen nur unter drei Gesichtspunkten ausgeübt: Bewusstsein, die richtige Dosis und die dazugehörige konzentrierte Wahrnehmung. Yoga hat sich über Jahrtausende hinweg deutlich mehr als nur diese drei Aspekte angeeignet und ist somit facettenreicher und tiefergehender, ähnlich wie das Wurzelwerk eines Waldes. Die alte Seele des Yoga reicht bis zu den Upanishaden zurück. Schon allein diese alte Philosophie ist unglaublich spektral und vielschichtig, weshalb Yoga nicht einfach zu beschreiben ist.

Im Pilates geht es dagegen um die Kontrolle und präzise Ausführung der Übungen, was für manch einen schon sehr herausfordernd sein kann. Hier ist ebenfalls ein achtsames Zuhören gefragt, um die Ausübung tief und schonend zugleich ausführen zu können.

Oft wird aus Pilates eine Fitnessstudio-Übungsabfolge gezaubert, die zwar super schnell ist, aber nur an der Oberfläche kratzt. Das tiefe Atmen, eine schonende Abfolge, langsam und achtsam den eigenen Körper und die Muskelgruppen wahrnehmen, werden so zu einem taffen Pilates-Bootcamp-Programm, das schon manches Mal belächelt und ebenso unterschätzt wurde.

Yoga und Pilates für das innere und äußere Gleichgewicht

Beide Methoden stellen ein harmonisches Duo für Körper und Geist dar. Die beiden Entspannungsmethoden legen ihren Fokus auf die innere Balance. Es geht um ein gutes kontinuierliches Durchatmen, sich konzentrieren, achtsames Zuhören, achtsamen Ausüben, in sich Hineinhören. Diese Kombination ergibt ein perfektes Zusammenspiel, das zu mehr Körperspannung, Muskeltraining und Gelassenheit führt.

Das Gleiche gilt für Yoga Asanas, denn Asanas sind intensiv und verlangen eine präzise ausgeübte Herangehensweise. Atmend gehalten und mit den Bandhas gesetzt, können Asanas eine ziemlich intensive Herausforderung sein. Sind erst einmal die Bandhas gesetzt, geht ein noch kraftvollerer Akt los, der im Anschluss und im Einklang mit dem Atemfluss die gewünschte Entspannung schenkt.

Yoga hat dazu noch eine große Bandbreite an Atemtechniken zur Verfügung und es gibt zahlreiche Asanas, die so facettenreich sind wie die neuesten Sorten Eis auf dem Markt. Pilates bietet diese Vielfalt nicht. Zudem ist Yoga eine Tiefenentspannungsmethode, die Meditation als Praxis beinhaltet. Die gesamte Lehre im und um Yoga vermittelt spirituelles Verständnis, bündelt Körper und Seele miteinander, was im Pilates hingegen nicht zur Anwendung kommt.

Pilates trainiert im Gegenzug kleinste tiefsitzende Beckenboden- und Bauchmuskeln, stärkt den Rücken, verbessert die gesamte Körperhaltung und die Beweglichkeit, schult die Körperwahrnehmung. Yoga dient dazu, Stress abzubauen, Verspannungen zu lösen und die Gesundheit bis ins hohe Alter zu fördern und zu erhalten. Pilates und Yoga unterstützen beide die Fitness im Alltag.

Yoga fördert darüber hinaus die Konzentration im Alltag, die einen Transfer zu allen möglichen Alltagssituationen herstellt. Gelassen zu bleiben im Trubel des Alltags, Geschehnisse mit Leichtigkeit zu betrachten und für alles eine Lösung zu finden, selbst wenn das Leben gerade wieder einmal neu würfelt, das schafft keine Pilates-Praxis, egal wie lange sie schon ausgeübt wird.

Beide Methoden ergänzen sich gut, sie können die körperlichen Empfindungen, und die Beweglichkeit im Hinblick auf den Geist wie auch auf den Körper bis ins Unermessliche steigern. Sie verhelfen zu einem gesunden Leben bis ins hohe Alter.

Ob Dir Yoga oder Pilates mehr liegt, oder eine Kombination beider Praktiken das Richtige ist, solltest du für Dich ausprobieren. Yoga inspirierte Joseph Pilates und manche Pilates-Übungen haben ihre ästhetische Bekanntheit aus dem Yoga übernommen.